29 Sep 2011

Meine Höhenangst und die Hypnose

Author: gtcs | Filed under: Allgemein

Meine Höhenangst begann bereits in Kindesalter. Manchmal dachte ich in späteren Jahren, dass meine Mutter ihre eigenen Ängste auf mich übertragen hatte und meine durch ihr falsches Verhalten bis ins Unerträgliche verstärkte. Als sie bemerkt hatte, dass ihr Kind Angst vor steilen Treppen, Treppenhäusern mit tief reichenden Schächten, Paternostern, Wendeltreppen oder Aussichtstürmen hatte, machte sie es sich zur Aufgabe, ihrer Tochter die Feigheit auszutreiben. Niemals gab es die Option, mit dem Kind unten zu bleiben. Niemals sprach sie mit ihrem Kind über seine Angst. Es musste hinauf, obwohl es zeterte und schrie. Leuchttürme und Aussichtsplattformen wurden zu meinem persönlichen Alptraum – und der wurde von meinem Vater mehrfach filmisch festgehalten. In Super-8-Qualität konnte ich noch vierzig Jahre danach sehen, wie ein weinendes Mädchen panikblind aus einem Aussichtsturm taumelte und in den Dreck fiel. Meine Geschwister grölten Jahr für Jahr vor Wonne.

Vom Sport wurde ich befreit, weil ich vom Barren fiel statt einen Aufschwung zu machen. Ich musste jahrelang ein Medikament gegen Gleichgewichtsstörungen nehmen. Später war ich bei einer Körpertherapeutin, die sich meiner Ängste annahm. Sie sagte mir, man hätte das frühzeitig behandeln können, weil es sich ihrer Ansicht nach um eine Wahrnehmungsstörung im Hirn handelt. Von dem Zeitpunkt an versuchte ich, meine Höhenangst anders zu sehen. Als erwachsene Frau zog ich in einen Ort, an dem es keine hohen Häuser gab. Trotzdem gab es natürlich alte Treppenhäuser mit frei schwingenden Treppen, zwischen denen man einen VW-Bus hätte herunterfallen lassen können. Ich entschloss mich, zur Hypnotherapie zu gehen. Ich fand es nicht mehr akzeptabel, meine Freunde nach der Höhe des Treppenhauses auszuwählen, Balkone nicht betreten zu können oder Hochhäuser schrecklich zu finden. Meine Hypnotiseurin hörte sich meine Leidensgeschichte an. Sie fragte nach dem Medikament, das ich hatte nehmen müssen. Ich musste beschreiben, was ich am Barren gefühlt hatte und wie sich meine Angststörung in den folgenden Jahren entwickelt hatte. Sie riet mir wegen der zeitlichen Dauer und tiefen Verwurzelung meines Problems, zusätzlich zur den Hypnosesitzungen eine Entspannungs- oder Atemtechnik zu erlernen, um mir in Angst machenden Situationen besser helfen zu können. Sie sagte, dass ein gesundes Maß an Angst sinnvoll, mein Maß an Angst aber durch viele Umstände zu groß sei.

In den fünf Hypnosesitzungen wurde mir suggeriert, dass Höhenerlebnisse ein Genuss sein können, wenn man sie entspannt genießen und zulassen kann. Mir wurde gesagt, dass sich meine Höhenangst von Mal zu Mal bessern würde und dass mir nichts passiert. Einige Kernsätze wiederholte die Therapeutin immer wieder. Ich versuchte danach, meine Einstellung zur Höhe zu überprüfen und durch positive Affirmationen zu stärken. Außerdem erlernte ich eine Entspannungstechnik. Dann fuhr ich mit meinem Mann zu einem Aussichtsturm in Schleswig-Holstein, der zu meinen kindlichen Traumata gehörte. Er erschien mir nicht sehr hoch, aber die enge und steile Wendeltreppe hatte es in sich. Als ich oben war, spürte ich das kleine Mädchen, das sich panisch an die Wand gekrallt hatte, neben mir stehen. Ich nahm es im Geiste an der Hand und wir gingen gemeinsam einen Schritt Richtung Brüstung. Und dann noch einen.

Weiterführende Linktipps:

http://www.hypnose-zentrum.com/

http://www.zeit.de/1974/17/ohne-hypnose

http://www.fitforfun.de/abnehmen/schlankmacher/schlank-durch-hypnose/abnehmen_aid_3807.html

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